"Wasch doch!" Über Bären ohne Bleichmittel und Haflinger-Schimmel. Eine Theaterrezension. (in german)

 
a theatre play in germany/berlin. so-called capital city. requsite turned the theatre place into a room really similar to a court room. translation may follow as soon as possible.

"Kamen da! Wasch doch!" - Er gibt zu denken, der Satz. Dumpf, nur schwer zu verstehen, aber von der Silbenanzahl her halbwegs zutreffend, hallt ein Paket Vokale mit unklaren Konsonanten durch den Thatersaal. Auf der Bühne lehnen sich die Darsteller entspannt an ein paar Requisiten: ein paar eklektizistisch rasch herbeigeschaffte Säulen, einige Stühle, ein paar Schreibtische. Ihre gemeinsam geteilte Intention - die der Schauspieler wie Zuschauer - ist samt Blickrichtung gespannt gerichtet auf einen halbgroßen, fastallermodernsten Fernseher neben dem erhöhten Richterpult, von dem der Richter soeben - obwohl er dies noch kurz zuvor noch lachend-schüchtern auf ein anderes Mal verschoben hatte - von der erhöhten Ampore auf die Augenhöhe der anderen Fernsehzuschauer im Raum herabgestiegen ist.

Wir sehen: eine bunte Demonstration. Fokussiert wird auf bunte Kostüme, eine Transparentecke, helle Haflingerschimmelfelle und Wackelpopos. Name und Titel der hier theatralisch nachbeäugten Veranstaltung: "Das Leben ist kein Ponyhof". Nichts weiter als eine nett inszeniertes Demo-Event, aber - wie man sieht - mit einem derart fachmännisch aufgearbeiteten Nach-Echo, daß wir, wenn wir es denn ausdrücklich wünschten, die heute gesichtete Interpretation des Stücks "Kamera Arschloch" bezeichnen könnten als ein Stück im Stück, und zwar ein für letzte freie Improvisation noch nicht völlig verschlossenes.

"Kamen da! Wasch doch!" klingt es also dumpf aus dem Lautsprecher des Fernsehers im requisitentechnisch feinen Theatersaal. Geübte Augen entdecken umwerfende Ählichkeiten mit dem kugelsicher geschützten Raum 704 im Landgerichtsgebäude Berlin-Turmstraße. "Hm", murmelt hier der Rezensent. Weshalb ruft ein Polizist im Rücken eines kamerahaltenden Polizisten "Kamen da mal!

Wasch doch!" und findet auf Anhieb die schwachstelle des Stücks, na super, und schon alles verraten. Dabei war Szene für Szene des heute gesichteten Aktes zwischendurch so gelungen, daß es schon um dieser Zwischenstellen Willen schade wäre, wenn Rezensent wie auch Leser hier nicht ausnahmsweise ein Auge zudrückten und so täten, als hätte soeben niemand etwas gesagt oder Gesagtes geschrieben.

Spulen wir also die Aufnahme der Aufnahme der Aufnahme zurück und betreten - als zuschauer eines nun von Mitspielern aufgezeichneten Stücks vom Stück - den Theatersaal des heutigen Morgens. Wir folgen - dem Satz an der Tür blind-buchstabengetreu gehorchend - den Pfeilen zum "Portal 6", dem Eingang für Theaterbesucher. So steht es zumindest an der Tür des Theatersaals.

Beschrieben wird uns dies als "ums Eck, halbe Treppe tiefer, Portal 6, Schildern folgen", so die Anweisung des Platzanweisers. Immer gespannter, stellen wir fest, daß ums Eck zwar eine Treppe sich ihres Daseins halb freut, halb dran verzweifelt, daß aber eine "halbe Treppe" nicht existiert, wir also schon hier zum Selbstmörder werden könnten, folgten wir den Anweisung bis aufs letzte Detail. Existieren tut statt dessen eine volle ganze Treppe, ab der die Beschilderung (mit an die Wand schablonierten) Schilda-Schildern: "Portal 6", die Pfeile sind ziemlich deutlich, Stück für Stück voran führt: wer den Zuschauer-Elchtest bis zum Schluß geht, findet sich vor einem Riesenportal, einer Doppelflügeltür vom feinsten, mit Verzierungen, wie sie sich für eine solche Tür gehören, darüber unzweifelhaft: "portal 6". Die Tür führt: auf die Straße.

Schulterzuckend kehrt Zuschauerschaft-Bestandteil also der Straße wieder den Rücken und kämpft sich gegen alle Schilda-Schilderlogik durch, zurück, gegen allen Tiefenfall der Nachaußenflucht-Treppen, zurück an die Pforte, wohinter doch schließlich das zu rezensierende Stück längst begonnen: au oui, uff, hier war es doch. peng, tür zu, raschelraschel, wo waren die Skizzenblätter. "Wenn das hier so
weitergeht, werd ich noch gefeuert, bevor noch das Blatt, für das ich schreibe, seine zweite Regionalausgabe richtig auf die Beine bekommt, und das muß doch schließlich nicht sein", sagt jemand, wer weiß wer, wahrscheinlich eine Kollegen-Konkurrenz, typisch, die Presse mal wieder.

Die Requisiten sind somit prächtig gelungen, wenn auch ein wenig zu sklavisch am klassizistischplattenhaften Original gehalten. So sehr hätte man sich an die Vorlagen, die Dokumentarfilmer der 68er-spät70er-ära geliefert hatten, nicht halten müssen. Zu bemerken bleibt, daß
die kugelsichere Schutzscheibe vor dem Schauspierlereingang wahrscheinlich von polnischen Hilfskräften (die originalen von italienischen, die jetzigen, kulissenhafen, dann wohl doch von polnischen Hilfskräften) so meisterhaft gebastelt worden ist, daß eine reizende Sabotagelücke genau beim durchqueren der Durchgangsschwelle einen niedlichen Einblick zeigt auf zwei in Frage kommende Fenster ein Erdgeschoß höher, Gang gegenüber (unweit der besonders beliebten Richter-Mensa). Mit einem Wort: eine Kulissen-Meisterleitung.

"Kamen da! Wasch doch!" - mit was, mit Bleich-Chlor, einem Schuß Stärke für die Zweitwäsche, mit purem Sommergrippenvirus-Sonnenschein, ganz biologisch? Das Stück zeigt eine bis auf diese Schwachstelle so umhauende sprachliche Komplexität, daß es ein paar Absätze zum Warmschreiben schon benötigt, um auf eine sich mit der Komplexität des Stücks selbst annähernd messen könnende Ebene bei der Rezensionstätigkeit zu bewegen. Es git nun hauptsächlich, die Frage zu klären, wie weit sich Relationen von Zentimeter- und Meterangaben in die - eher der Elementarquarkerdbeer vorbehaltene - 'Unschärfe' der Materiellen Anwesenheit - also der rein körperhaften Existenz - hineinwagen können, und dies auf allen Etagen des heutigen Theaterbaus:

So ist erstens zu klären, weshalb zwischen "zwei Meter", "fünf Meter" und "an die 10 Meter" Abstand zwischen vermuteter Tonspule und bezichtigtem Tongeber 'ziemlich genau dasselbe' sein sollen, wenn der Rolle des Olivklees zugehört würde [es mampft hier ein Haflingerschimmel, daneben mampft ein behörnter Ferdinand am Gänseblümchen mit]. Selbiger Olivklee, nennen wir ihn einmal "Marek"* - hat schon einiges auszustehen gehabt in der Wartephase vor Scheibenkulissen, er hielt sich schweigend ganz prächtig [so schmecken Olivklees am besten, sagt schmatzend Haflingerschimmelpony], aber nun, nach dem Sprechenlernen, wird den Zuschauern des Schaustücks lange verheimlicht, ob es sich hier nun um ein phantastisches Stückchen mit sexistischem voyeur-einschlag handelt (was auch nicht uninteressant wäre), oder schlicht um eine nicht eben unauffällige Unsicherheit eines Olivgrüns, dem die Anwesenheits-"Unschärfe" - nämlich das nun wiederholte Fehlen des bisherigen Mit-Zeugen "Olivgrün2" (Sommergrippe oder Rückenbeschwerden) möglicherweise ebenfalls zu dämmern beginnt. Alleine auf einsamem Flur. Alleine nach vorne geschoben vom stimmgewaltigen Tonspurpartner - ist es verständlicherweise schwer einzuschätzen, ob das Stichwort für "1-2 Meter" schon gefallen war oder ob "10 Meter" vielleicht angesagter wären in der laufenden Zwischenfragenzeile bezüglich Abständen zwischen Deomonstranten und Kamerahaltern unter besonderer Berücksichtigung der Stimmenlautärke auf Band. Insofern darf diese Rollenbesetzung als Mißgriff bezeichnet werden. Es könnte ja theoretisch diese Rollenfigur derzeit anderes im Sinn haben, als sich vom unscharfen Kollegen weiter für dumm verkaufen zu lassen, zumindest erscheint dies dem enttäuschten Zuschauer eben so: Zweitbesetzung ungeübt, da schon auf der Suche nach neuen Drehbüchern und Sommergrippe der Erstbesetzung erweist sich als ansteckend. Hier gilt an den Regisseur die dringende Empfehlung, das Festhalten an dieser verzichtbaren Rolle zu überdenken. "Streichen!" sagt der Rezensent unter der Nase und das Theater wartet auf Folgen.

Sicher. Ohne das Leseskript ist dieses Stück schwer nachvollziehbar zu machen, für keinen der geduldigen Leser. Und noch sicherer ist: dies ist nicht Ziel oder Zweck dieser Rezension. Die Hintergründe sind prächtig aufgeschlossen nachzulesen unter

 http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Kamera_Arschloch

"Kamen da! Wasch doch!" hallt ein Satz durch Flure und zwischen Fenstern und Glasscheibe herum, bricht sich, findet sich als Audiowelle wieder zusammen. "Mensch, warum haste nicht "Arschloch" gesagt", flüstert eine unscharfe Zweitbesetzung "Olivgrün2" dem waschecht olivgrün anlaufenden zu. "Ein in dieser Sprache so schwer kultiviertes Wort, literarisch-historisch nicht nur den Anhängern von Literaturen des 18. Jahrhunderts ein Begriff... - auch die Parodie der Parodie der Begriffsdiskurse zu diesem Wortfeld (bedenke die Diskurse aus dem Dunstkreis von Büchnerpreisträgern und Büchnerpreisredenlesern) gibt eine derart prächtige Patina zu diesem Akt, als de fakto eklektizistisch-barocken Rahmen, daß es schon beinahe ein Kompliment für uns Kulturspraschensprecher-in-oliv wäre, wenn sie uns das nachweisen würden endlich - was wohl schwer noch zu verhindern sein wird..." - flüstert das olivgrüne Echo und entschwindet, sich Bahnen durch den Äther der Flure und Treppen brechend, durch Portal 6.
















*name geändert oder nur zum teil sichtbar oder doch geändert

Ergänze diesen Artikel

die in einem wahrscheinlich zensiert werdenden

hierherlinkenden bemerkungseintrag (von irgendjemand) 30.Jun.2008 16:16

erwähnte nachspieldatierung lautet:

14.7.


am vierzehnten juli soll akt fünf sein korrektur-nachspiel erfahren.



details folgen.

noch ist die

http://de.indymedia.org/2008/06/221107.shtml 30.Jun.2008 16:35

sichtbar...


 http://de.indymedia.org/2008/06/221107.shtml

aber schön ist auch...

(jwd) 30.Jun.2008 21:00

...zu gucken und vergleichen:
 http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Rezension_%22Kamera-Arschloch!%22

Kamera-Arschloch - DIE II. Instanz - Akt III (b)

Pony M. 01.Jul.2008 23:14

Kamera-Arschloch - DIE II. Instanz - Akt III (b)
- Die Betroffenen-Monologe -
14.July 14:00
Landgericht Berlin Tiergarten
Turmstr. 91 (Moabit)
Saal 704

Aufgrund der große Kartennachfrage wurde ein Zweittermin für das Teilstück Akt III
angesetzt, um die Anreize für Wiederholungsgänger zu erhöhen wurde das Stück kurzerhand
noch am morgen der letzten Aufführung umgeschrieben, der Zeuge Brenninek in der Rolle des
Betroffenen und Beleidigten POM Breninek erlitt eine Sommergrippe oder Rückenleiden oder
ähnliches und konnnte am Stück leider nicht teilnehmen, so die offizielle Meldung für das
anwesende Publikum.

Der Zeuge POM Ponikau jedoch behauptete sich in Akt III (a) in der Rolle Ponikau als
Koryphäe in der Darstellung von Widerspruch, Nebenwiderspruch und Nebennebenwiderspruch.
"Er trug ein Transparent"... "Dann trug er eben doch kein Transparent." . Faszinierend.
Ein Könner der theatralisch mephistophelischen Dialektik.

Am Ende des Stückes entpuppte sich die Abwesenheit des POM Breninek als geschickte
Marketingstrategie des Team Staatsanwaltschaft um einer erhöhten Aufführungsnachfrage des
Stückes nachzukommen, die in einer einfachen Aussage mündete ... "Der Staatsanwaltschaft
reicht es nicht, sie möchte POM Breninek anhören.".
Mit wohlwollender Zustimmung reagierte das Publikum, und wurde erst jetzt durch diesen
geschickten Schachzug darauf hingewiesen: Der angeblich Betroffene wurde noch nie erhört!

Das Publikum hätte es wissen müßen, das Theaterstück ist ein virtuoses Spiel mit
Virtuellen, das Videoband war doch ein eigentlich unübersehbarer Vorbote hierfür,
wurde es doch schon im ersten Akt "Kamera-Arschloch - DIE I. Instanz" eingeführt um zu
beweisen: ES IST KEIN TÄTER ZU SEHEN!

In allen bisher aufgeführten Stücken verschwand die Rolle des POM Breninek aus den Augen
des werten Betrachters, tauchte er doch nur als stummer Statist in "DIE II. Instanz
a-dur" im Frühjahr 2007 auf, um dann wieder als Phantom bei Gerichte zu verschwinden, das
Publikum gelangt erst jetzt zu der augenöffnenden Erkenntnis: er führte bisher nie den im
angedeuteten Drehbuch vorgesehenen Dialog in den heiligen Amtshallen.

Kamera-Arschloch - DIE II. Instanz - Akt III (b)
- Die Betroffenen-Monologe -
14.July 14:00
Landgericht Berlin Tiergarten
Turmstr. 91 (Moabit)
Saal 704

mehr unter...
 http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Kamera_Arschloch