DIJON, FRANKREICH: RECHT AUF WOHNUNG

Dem besetzten Haus Tanneries in Dijon droht die Räumung

 

Les Tanneries, Dijon, France
Les Tanneries, Dijon, France


Nach neun Jahren dauerhafter Besetzung und trotz des rechtlichen Besetzungsvertrages mit der Stadtverwaltung, soll das besetzte Haus "Tanneries" in Dijon für die Entwicklung eines riesigen Privatkrankenhauses geräumt werden, das zudem noch das öffentliche Gesundheitssystem in Gefahr bringen würde. Dieser Plan ist Teil einer Repressionswelle in der Europäischen Union gegen etablierte autonome soziale Zentren: in den letzten Jahren wurden viele geräumt. Das Tanneries ist ein bedeutendes Zentrum zur Unterstützung sozialer Bewegungen in Europa und der Informationspunkt der People's Global Action in Frankreich.

Neueste Nachrichten:

Espace Autogéré des Tanneries (fr)

Übersetzungen:
AZ "Les Tanneries" in Dijon räumungsbedroht (de) | Defensem l'espai autonom "Les Tanneries" (ca) | Defendamos el centro social okupado autogestionado "Les Tanneries" (es) | Francia : Les Tanneries no se dejarán desalojar! (es) | Les Tanneries gune autonomoa defenda dezagun (eusk) | Dijon: Les Tanneries non si lasceranno sgomberare! (it) | Дижон, Франция: Защитим свободное пространство "Кожевенный завод" - "Les Tanneries"! (ru)

Dernières nouvelles de la lutte pour l'Espace Autoréré des Tanneries (fr)
Català | Deutsch | Español | Euskara | Italiano

Die Bewohner Tanneries schreiben:

Nach 10 jähriger Existenz ist das selbstverwaltete Zentrum "Les Tanneries" von einem privaten Klinikkomplex bedroht, dessen Bau im Rathaus von Dijon geheim beschlossen wurde.

Wir haben kürzlich erfahren, dass der Stadtrat von Dijon Verhandlungen über den Verkauf unseres besetzten Sozialzentrums und seiner Umgebung begonnen hat, deshalb müssen wir schnell handeln. Deswegen haben wir das folgende Statement verfasst, das erklärt, wie und warum wir für den Erhalt unseres Freiraums kämpfen werden.

Nach einer ersten Protestversammlung und einer Besetzung der Ratsversammlung im Rathaus von Dijon, sowie vieler unterstützender E-Mails aus der ganzen Welt, ist der Rat leicht zurückgewichen. Man spricht nun davon, dass man überlegen wird, das zum Sozialzentrum gehörende Gebiet von den Bebauungsplänen auszunehmen. Allerdings gibt es keinerlei Grund davon auszugehen, dass wir uns darauf verlassen könnten, jedenfalls nicht dann, wenn wir nicht den Druck aufrecht erhalten und uns darauf vorbereiten zu handeln. Wann immer die nächste alarmierende Situation eintritt.

All denjenigen, die uns über die vergangenen Tage hinweg unterstützt haben, möchten wir sagen: "Danke für die außergewöhnliche Stärke und die Unterstützung die ihr uns gegeben habt!" Wir möchten Euch auch weiterhin dazu anregen, Eure Unzufriedenheit gegenüber der Stadtverwaltung auszudrücken, sei es durch Briefe, per Telefon oder E-Mails:

Mairie de Dijon,
M. François Rebsamen
place de la Libération
21000 Dijon, France
(+33|0)-380-745-151)
E-mail: francois.rebsamen@ville-dijon.fr

Wir müssen den Druck aufrechterhalten und uns die Zeit nehmen an einer breiteren Mobilisierung zu arbeiten. Danke noch mal, und seid bereit!

* * *

Ohne die Öffentlichkeit zu beteiligen und mit dem für die aktuelle Wahlperiode charakteristischen heimlichen Umgang mit heißen Themen hat die PS-Verwaltung [Sozialistische Partei] von Dijon Entscheidungen getroffen, die für das Autonome Zentrum « Les Tanneries », dem 1997 eröffneten, selbstverwalteten Freiraum für kulturelle, soziale und politische Aktivitäten, das Ende bedeuten könnten. Aber wir beabsichtigen nicht, sie gewähren zu lassen!

Wir wussten von Anfang an, dass wir - trotz der Vereinbarung der kostenlosen Nutzung im Jahr 2002 - eine permanente Wachsamkeit bewahren müssen. Nach diversen Gerüchten - ein wenig hartnäckiger als normal - über die Projekte, die uns bedrohen, haben wir das Bürgermeisteramt Anfang März kontaktiert, um die Wahrheit zu erfahren. Trotz mehrmaliger telefonischer und schriftlicher Nachfragen, haben wir keinerlei Antwort bekommen. Vor zwei Tagen haben wir jedoch aus einer sicheren Quelle - aber noch inoffiziell - erfahren, dass das Amt für Stadtverwaltung dem [privaten Krankenhaus-Unternehmen] Générale de Santé einen schriftlichen Vorschlag unterbreitet hat. Das Ziel ist, ihnen die Ansammlung von Flächen zu überlassen, von denen wir eine Parzelle nutzen, auf das sie dort ihr privates Klinikzentrum von zehn Hektar Land bis 2009 errichten können.

Während die öffentliche Gesundheitsversorgung in Europa von neoliberalen Privatisierungsstrategien stark bedroht wird, favorisiert die Stadtverwaltung von Dijon die Einführung einer Zweiklassenmedizin?

Will sie zu den Monopol- und Eroberungsstrategien des größten multinationalen Medizinkonzerns beitragen (1,741 Milliarden Euro Jahresumsatz 2006, kontrolliert durch Rentenfonds und zu 10% durch [den Medienkonzern] Vivendi), indem sie ihm ein öffentliches Gelände in der Nähe der Innenstadt anbietet, quasi direkt gegenüber dem öffentlichen Krankenhaus? Générale de Santé will also von diesem städtischen Glücksfall profitieren, um seine Kliniken in der Nähe zu schließen, statt sie zu modernisieren.

Trotz seiner Propaganda der "partizipativen Demokratie", hat die Stadtverwaltung weder uns noch irgendjemand anderen konsultiert, bevor sie ihre Machenschaften beschlossen haben, die nicht nur unseren Freiraum sondern auch die Zukunft eines Teils der Stadt bedrohen.

* * *

Warum die Tanneries - laut und stark - unterstützen?

Die Politik der Stadt hat bereits das unabhängige Kino « Eldorado » und das besetzte Haus « le Toboggan » in Gefahr gebracht. Wenn sie mit diesem Projekt das Verschwinden der Tanneries plant, verschreibt sie sich auf diese Weise vor aller Augen der Sozialistischen Partei, im Sinne eines sicheren, desinfizierten, seiner Orte des Widerstands, der Experimente und der Volxkultur beraubten Frankreichs.

In der Tat, die Tanneries ist ein Veranstaltungsort, ein Wohnkollektiv, und ein Raum für autonome Informationstechnik, für die Entwicklung freier Programme und die Wartung unabhängiger Server, ein Umsonstladen, eine Auto- und Fahrradwerkstatt, ein Theaterraum, eine Siebdruckwerkstatt, ein Versammlungsort, ein Gemüsegarten, ein Zentrum der Verteilung und Erstellung alternativer Presse, ein Büro für Rechts- und Sozialberatungen für Menschen ohne Rechte und Aufenthaltsstatus, eine Bibliothek, eine Umwelt- und Projektwerkstatt, Dutzende Gruppen, Kollektive und lokale Netzwerke, die hierher kommen um Abende, Aktionen, Ausstellungen und Wissensaustausch, Versammlungen und Projekte zu organisieren...

Dort, wo kommunale Kulturorte mit enormen Subventionen arbeiten und private auf der Basis von Kommerz und Sponsoren, gibt es in der Tanneries Hunderte Personen, die jede Woche kommen, um eine unabhängige Kultur zu feiern und an den umsonst oder zum Selbstkostenpreis zugänglichen Aktivitäten teilzunehmen. Um seine Freiheit zu garantieren, funktionierte der Ort immer ohne Subventionen und Gehälter.

In einem Land, in dem die selbstverwalteten Strukturen quasi systematisch unterdrückt werden und dadurch prekär sind, ist die Tanneries eines der viel zu raren Beispiele von Projekten, das sich auf lange Sicht halten konnte. Es ist unter diesem Namen eine Ressourcenquelle und ein wichtiges Kettenglied der europäischen Kultur- und Autonomenszene.

Die Tanneries trägt die Umsetzung einer sozialen Vision und sie ist das Werkzeug, um uns unseren Ideen zu stellen. Wir wollen die Barrieren zwischen dem "privaten Leben" und der "Welt der Politik" einreißen, und wir wollen uns horizontal statt autoritär und pyramidenförmig organisieren.

Wir wollen uns selbst erschaffen und unser Leben verändern, hier und jetzt, statt auf den großen Abend zu warten. Wir stellen die Logik des Marktes und der Akkumulation in Frage und propagieren stattdessen den freien Gebrauch und solidarischen Tausch. Wir glauben noch immer, dass es möglich ist, eine Gesellschaft zu erschaffen, die nicht auf den gleichen Grundlagen beruht wie die jetzige, auf den Profit- und Herrschaftsverhältnissen, auf Rassismus, Sexismus und Homophobie.

Die Tanneries lebt nicht wie eine brave Parallelalternative, die darauf beruht, die vorhandenen Kräfte nicht zu sehr zu erschüttern: Ein folkloristischer Zoo, mundtot und abhängig vom Wohlwollen der Führer. Wenn wir da sind, dann um die Gesellschaft voranzutreiben und zu kämpfen!

Die Tanneries gibt sich nicht der Phantasie hin, sie stünde außerhalb dieser Gesellschaft, sondern sieht sich als Prozess, der sich im Vortasten bildet, ohne vorgefertigte Ideologie... Aber konträr zum normalen Zynismus der medialen Politwelt, geben wir nicht auf für den Beweis zu kämpfen, dass es möglich ist, die kapitalistische Logik in Frage zu stellen. Wir wünschen uns weiterhin mehr als die schönen Wahlgänge, die nichts als Wind erzeugen. Mit der Zeit hat die Tanneries den präzisen Beweis erbracht, dass es nicht nur realistisch, sondern gegenwärtig ist, sich selbst ohne Institutionen zu organisieren, dass es sich nicht um eine wahnsinnige Utopie junger Idealistinnen und Idealisten handelt, die dazu bestimmt sind, später ihr Fähnchen in den Wind zu hängen.

Die Tanneries, wie alle zu den Normen ihrer Umgebung konträren Orte, bildet einen einzigartigen Raum, Frucht der Träume, der Vertrautheit, der Begegnungen, der Kampfeslust so vieler Menschen. Seine Geschichte ist die vieler Generationen, die Mauern reflektieren die Freude und den Zorn, die Wut und die Leidenschaft, die Abenteuer und die Gefühle...

* * *

# Unser Projekt kann weder verschoben noch zerstückelt werden.
# Es muss weiterbestehen im Quartier!

Was auch immer das Projekt der Raumplanung für den Stadtteil sein sollte - wir kämpfen dafür, dass das bleibt, was wir hier in zehn Jahren aufgebaut haben: Unsere Gebäude und unser Projekt in seiner Gesamtheit. Es ist kein Hexenwerk, wenn wir den Plan des verfügbaren Raums betrachten. Es ist offensichtlich, dass - mit einem politischen Willen in diesem Sinne - angemessene technische Lösungen gefunden werden.

Dank öffentlicher Unterstützung und einer Aufeinanderfolge von Druck und Straßenaktionen während fünf Jahren, konnte sich die Tanneries ihren Fortbestand an Ort und Stelle sichern. Vier Jahre später sind wir bereit, erneut diesen Freiraum zu verteidigen und eine Bewegung des Widerstands zu schaffen, verstärkt durch all die mit der Zeit erschaffenen Kontakte, Erfahrungen und Freundschaften. Die Tanneries, obgleich lokal solide verankert, wird auch durch eine große Gemeinschaft getragen, deren Zusammengehörigkeit keine Grenzen kennt, die sowohl zu Unterstützungsaktionen in der ganzen Welt wie zu einer Zusammenkunft zu einer physischen Verteidigung des Freiraums gegen eine Räumung mobilisieren kann.

Hoffen wir, dass dies bei Zeiten in den Köpfen der Stadtoberen von Dijon erschallt, die lange Tage und Nächte der radikalen Demonstrationen, die einige Wochen die dänische Hauptstadt gelähmt haben, und die vielen Offensiven quer durch Europa für unsere Freundinnen und Freunden vom Ungdomshuset. Im gleichen Kontext wie sie, ist unser Kampf ein globaler Kampf, damit autonome Freiräume und subversive Brennpunkte bleiben und sich über Europa ausbreiten kann.

Während es sehr wahrscheinlich ist, dass wir in Zukunft zu Solidaritätsaktionen aufrufen werden, wollen wir schon jetzt einer Kampagne starten, die als Warnung dienen soll. Wir möchten Euch dazu anregen, an das Rathaus von Dijon zu schreiben, um ihnen zu sagen, dass Ihr möchtet, dass "Les Tanneries" genau dort weiter existiert wo es jetzt ist. Wenn Ihr über Unterstützungsaktionen und Demos informiert werden möchtet, schickt uns Eure E-Mail-Adresse oder Telefonnummer an tanneries@squat.net.

Wir werden uns verteidigen, wir werden Widerstand leisten, weil wir wütend sind!

Dijon, den 24. März 2007,
Espace autogéré des Tanneries,
http://squat.net/tanneries/
tanneries at squat dot net

Andere aktuelle Nachrichten über das Recht auf Wohnung in Europa
Expulsions à Grenoble (fr) | Cachan: Sozialistischer Bürgermeister droht obdachlose Immigranten zu räumen | Madrid: Manifestación por una vivienda digna (es)

Wir bitten die Leserinnen und Leser in den Kommentaren über ihre eigenen Kämpfe für Wohnungsrecht und Landnutzung zu schreiben und die Geschichten mit Links zu ergänzen.

add a comment on this article

Cultural sanitization

Antisepsis 01.May.2007 19:49

For the past several years, there has been a project across the European Union to sell and demolish all of the old squatted social centers that had offered free shelter, food, and cultural services to homeless people and migrants for decades: the Tanneries in Dijon, the Koepi and Wagenplatz in Berlin, the Rhino apartment complex in Geneva, Kasa de la Muntanya in Barcelona, the Ernst Kirchweger Haus in Vienna, the Ungdomshuset in Copenhagen, the Mario Lupo Social Center in Parma.... These are buildings with rich political and cultural history, that were occupied in the wake of the social upheavals and land redistribution that came out of the Spanish Civil War and the Second World War, and the Cold War that followed. In its drive to "sanitize" Europe, Europe is destroying its own cultural diversity.

Kampf um Freiräume in Dijon

Autonomes Medienkollektiv Freiburg 21.May.2007 19:20

# apt-get install anarchism
# apt-get install anarchism

 http://de.indymedia.org/2007/05/177899.shtml

Espace Autogéré des Tanneries in Dijon bleibt

Autonomes Medienkollektiv Freiburg 24.May.2007 13:03



 http://de.indymedia.org/2007/05/178267.shtml

Squat « Le Toboggan » in Dijon geräumt

Autonomes Medienkollektiv Freiburg 26.May.2007 02:36



 http://de.indymedia.org/2007/05/178525.shtml

I don't mind saying good-bye.

Traveller 29.May.2007 03:08

In 2005 I met some musicians in Paris. I loaned one of them a clarinet. We agreed to meet in Dijon. I asked around town and people suggested The Tanneries would be a good place to run into travellers.

It's interesting that what is described in the appeal for assitance and support, is a place of community and social support. We were refused entry to the building. We were told it was not a hostel (Assuming we had an interest in staying).

After begging I was allowed limited entry. Our friends were there and they reported much of what was mentioned in this document, the computers, the bike shop, and the other amenities, and I also heard how unwelcome they felt, apart from the bike mechanic amongst them.

Like almost every "squat" I've every been to, it claimed be be, but was absolutely not a community space. It was a night club at best, with a cover. At best, one could say it was a center with private work shops or studio-type space for friends, and for people in the appropriate uniform. As most squats it is an oppurtunity to avoid dishing out any capital for a space, avoid any laws or taxes, avoid paying people who give their energy and talents, unlike any other bar, theater, internet cafe, bike shop or gallery that I'm (perhaps arrogantly) certain they would happily bad mouth for their participation in the 'system'.

Köpi (Berlin) Eviction on 31.05.08

Berlin_Fighters 20.Dec.2007 09:12

Defend Köpi – Resist the Eviction

On the 8th of May, our living and cultural centre „Köpi“ in the Köpenickerstrasse 137, that has been in existence for 17 years, and the land next to it (our trailer park), were sold by auction - even though the inhabitants and sympathizers strongly protested against it.
The house was bought by a Besnik Fichtner as the single bidder.
Since all of our grounds were sold for nearly half of the property value given, it seems that the deal was already pre-arranged between the Commerzbank and the district court. The Commerzbank didn’t want to talk to Köpi when we requested talks before the auction.
Commerzbank was the initiator of the auction.
Behind all these deals, lurks Sanus AG and the real estate clan Nehls, especially Siegfried Nehls, representing the management board of Sanus AG.
In between all these arrangements, Fichtner, who is only a craftsman (floorer), is probably only a puppet.
After some exchange of letters between lawyers, inhabitants of Köpi got their termination of contracts for 31.05.2008. Reasons: Economic inefficiency of the house – demolition and new construction are cheaper than renovation!
To underpin all this, we also received detailed accounts and building plans.
Further, Fichtner is planning a big tree-chopping action on our grounds. This is probably the beginning of the offence against us and our space (this might especially affect the trailer park). We will resist it with all the power we have.

Keep your eyes and ears open, show solidarity and organize yourselves.

To prevent the upcoming eviction in June, we invite you to join us for the

Action Days between 28th of May and 1st of June 2008
in and around Köpi in Berlin.

Within the scope of the action days there will be a demonstration on Saturday, 31st of May.

On Sunday, 1st of June there is a big street party planned with international bands appearing.

As a matter of course there will be actions in the run-up as well.

Lets put the senate and the Nehls family under pressure ----

Köpi Stays Risk Capital!

Take part in the action days from 28th of May till 1st of June 2008 in Berlin!

www.de.indymedia.org
www.koepi137.de