Redeverbot auf einer Fachtagung des Bü90/Grüne in Kiel

 

Abb. 1
Abb. 1


Die Fraktion Bündnis90/Grüne hat für den 31.05.2007 in Kiel eine Fachtagung unter dem Titel „Stallpflicht für immer? Legenden und Tatsachen zum Thema Vogelgrippe“ angekündigt. Initiator und Schirmherr dieser Veranstaltung ist Detlef Matthiessen., agrarpolitischer Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne. Herr Matthiessen legte im Vorfeld dieser Fachtagung allerdings eine recht eigentümliche Auffassung bezüglich Ein- und Ausladung der Referenten an den Tag.

Disqualifizieren, ausgrenzen, mundtot machen: Über das Selbstverständnis des Bü90/Grüne in Sachen wissenschaftlicher Erkenntnisbildung.

 

Oder: Wer die „falschen“ Thesen vertritt, der  fliegt ’raus.

 

 

Die Fraktion Bündnis90/Grüne hat für den 31.05.2007 in Kiel eine Fachtagung unter dem Titel „Stallpflicht für immer? Legenden und Tatsachen zum Thema Vogelgrippe“ angekündigt. Initiator und Schirmherr dieser Veranstaltung ist Detlef Matthiessen., agrarpolitischer Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne.

Aufgenommen wurde die Ankündigung dieser Veranstaltung dabei sowohl von Teilen der wissenschaftlichen Fachwelt als auch insbesondere vom großen Teil der durch „seuchenpräventive Zwangsmaßnahmen“ drangsalierten Geflügelfreunde durchweg positiv. Auf der einen Seite, so schien es, böte sich dort eine dringend benötigte Plattform auch zu kontroverser Diskussion, auf der anderen Seite erhoffte sich die große Schar der betroffenen Tierhalter eine wie auch immer geartete Verbesserung der Situation ihrer Tiere.

Eingeladen zu dieser Fachtagung waren unter anderem Ornithologe Klemens Steiof, Tierärztin Rosemarie Heiß so wie der Mediziner und Mitautor des Buches „Virus-Wahn“[1], Dr. Claus Köhnlein.

Waren deshalb, da Detlef Matthiessen Dr. Köhnlein zwischenzeitig von der Rednerliste der Veranstaltung streichen ließ. Die Hintergründe welche zur Ausladung Dr. Köhnleins führten, sind dabei ebenso erschreckend wie aufschlussreich.

Wie zu Zeiten der „Neuen Medien“ üblich, werden Hinweise auf solche und ähnliche Veranstaltungen nicht selten auch in diversen thematisch passenden Online-Foren des Internets veröffentlicht. So auch am 08.05. geschehen im Fall der Fachtagung der Grünen in dem unter der Domain http://www.huehner-info.de/ gehosteten Forum. Kurze Zeit nach Veröffentlichung des in Form eines sachlichen Veranstaltungshinweises gehaltenen Initialpostings meldet sich am 08.05.2007 ein User unter dem Pseudonym „Redcap“ mit folgenden Aussagen zu Wort [2]:

[Zitat Anfang]

Oh Gott … als Krönung ist Köhnlein als Sprecher eingeladen. … da weiß man ja worauf das hinausläuft …

Hab mal Herrn Matthiessen darauf hingewiesen, dass dieser Mensch tausende Leben auf dem Gewissen hat.

[es folgen zwei Links, siehe ebenfalls „Dokumentation“[2]]

Die Regierung Südafrikas ist nach sechs Jahren endlich zu Verstand gekommen und dann findet der Scharlatan wieder einen Dummen in der Politik.

Wenn einer dahin kommt… Fragt diesen Spezialisten, wie er es verantworten kann, so viele Menschen verrecken gelassen zu haben …

[Zitat Ende]

Wissen sollte man zum besseren Verständnis der Zusammenhänge, dass Dr. Köhnlein die Thesen der Group for the Scientific Reappraisal of the HIV-Aids Hypothesis (Gruppe für die wissenschaftliche Überprüfung der HIV-Aids-Hypothese) teilt. Als prominente Mitglieder der Group for the Scientific Reappraisal of the HIV-Aids Hypothesis wären dabei etwa der Molekularbiologe Peter Duesberg, Institutsleiter an der Universität Berkeley und Entdecker der Retroviren, so wie der Erfinder der PCR und Nobelpreisträger der Chemie Kary Mullis zu nennen.


Das oben zitierte Posting bedarf keiner weiteren Kommentierung, sowohl substanzieller Gehalt als auch die Intention des Verfassers dürfte anschaulich klar sein. Lediglich zu einer Anmerkung sehe ich mich veranlasst:

  • Es wird im zweiten Teil dieses Postings der Regierung Südafrikas – ganz beiläufig -eine gehörige Portion Dummheit unterstellt. Als sei die Regierung eines Nationalstaates nicht in der Lage, wissenschaftliche Befunde auf ihren Gehalt hin zu prüfen und ggfs. die daraus resultierenden Konsequenzen zu ziehen. Warum eigentlich nicht? Weil es sich im konkreten Fall um eine Regierung des afrikanischen Kontinents handelt (und nicht etwa eine europäische)? Hier wird versucht zu suggerieren, afrikanische Regierungen seien irgendwie Rückständig, teilweise nicht zurechnungsfähig oder zumindest irgendwie minderwertig. Die rassistische Dimension dieser öffentlich getätigten Aussage erscheint mir immerhin erwähnenswert.

Es handelt sich, insgesamt betrachtet, um eine diffarmierende Ad hominem-Attacke, wie sie von geistlosen Zeitgenossen leider häufig in Internetforen gestartet wird. Anzumerken ist vielleicht noch, dass die Forenmoderation diese Hetze drei Tage (!) unkorrigiert stehen ließ. Erst am Nachmittag des 11.05.2007 wurden einige Worte durch Sternchen „geschwärzt“ bzw. unleserlich gemacht. Statt jedoch sich öffentlich von diesem ebenso offenkundigen wie rechtswidrigem Unsinn zu distanzieren, wird dem Initiator der Diffarmierungskampagne seitens der Forenmoderation freie Bahn gewährt. Es folgen z.B. am 11.05. noch von diesem ganz ungeniert Vokabeln im Kontext mit Dr. Köhnlein wie „Völkermörder“, User welche sich von den Diffarmierungen öffentlich distanzieren, werden ungeniert auf eine Stufe mit „Holocaustleugnern“ gestellt usw. usf.

So traurig und jämmerlich sich die geschilderten Ereignisse bis hierhin auch zeigen mögen: Ein besonderer Skandal lässt sich an den bisher geschilderten Vorkommnissen nicht festmachen. Bestenfalls eine Serie von Dummheiten auf Seiten des Diffarmierers, und eine Serie von Versäumnissen auf Seiten der Forenmoderation.[2].

Der Skandal liegt woanders. Er liegt zuvorderst darin, dass dem agrarpolitischen Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne, Herrn Detlef Matthiessen, diese Diffarmierung, Produkt eines einzelnen anonymen Forenusers, zum Anlass gereicht, einen wissenschaftlichen Redebeitrag eines bereits eingeladenen Redners zu streichen, d.h. einer diffusen Hetze eines anonymen Forenusers handfeste Konsequenzen dahingehend folgen zu lassen, dass ein Redner einer Fachtagung dadurch in Konsequenz mundtot gemacht wird. Weiterhin liegt der Skandal darin, dass die Fraktion Bündnis90/Grüne die Öffentlichkeit über die Beweggründe im Unklaren lässt und sich darauf beschränkt, still und heimlich kurzerhand den Einladungsflyer der Veranstaltung zu korrigieren.

Aufschlussreich sind die Vorgänge im Vorfeld dieser Fachtagung allemal. Zum einen legen diese Zeugnis ab von der Auffassung in Sachen Meinungspluralismus im Kontext eines offenen wissenschaftlichen Diskurses bei den „Grünen“. Bereits wer auf Grund diffusen Hörensagens geeignet scheint, dem Ansehen und der Karriere zu schaden, wird zum Schweigen gebracht und vom wissenschaftlichen Diskurs einer Fachtagung ausgeschlossen. Und zwar ohne jede weitere Reflexion, ohne jede inhaltliche Befassung und auch ohne die anderen geladenen Redner von der „Programmänderung“ unmittelbar in Kenntnis zu setzen.
 

Es drängt sich einem dabei zwangsläufig die Frage auf, wie es um das Selbstverständnis des Bündnis90/Grüne grundsätzlich in Bezug auf rechtsstaatlichen Prinzipien wie das Prinzip der Unschuldsvermutung, der Wissenschaftsfreiheit, und der Informationsfreiheit bestellt ist.

Um die Kritikpunkte, welche den Skandal um die Veranstaltung ausmachen, noch einmal deutlich hervorzuheben:
 

  • Für eine fachwissenschaftliche Tagung gelten andere Maßstäbe als zum Beispiel für eine Geburtstagsfeierlichkeit. Jedoch ist auch im Falle einer Fachtagung der Veranstalter in der Auswahl seiner Gäste und Referenten frei.
  • Es obliegt jedoch im Falle einer wissenschaftlichen Fachtagung der Sorgfalt des Veranstalters, sich bezüglich der geladenen Referenten zu informieren. Und dies gefälligst, bevor eine offizielle Einladung überhaupt ausgesprochen wird.
  • Mangelt es hingegen bereits an der Sorgfalt in der Auswahl der Redner d.h. es klingeln dann erst nach erfolgter Einladung – gar erst nachdem die Einladungsflyer öffentlich gemacht wurden – bei den Veranstaltern irgendwelche Wecker, so muss man den Veranstaltern meines Erachtens eine per se falsche Wahl der Veranstaltungsart attestieren. Dann nämlich wäre statt „Fachtagung“ vielmehr „Grüne Reklameparty“(oder so etwas in der Richtung) der zutreffende Begriff unter welchem sich die Veranstaltung subsumieren ließe.
  • Bereits aus oben genannten Mängeln und Versäumnissen geht hervor, dass dem Veranstalter – eben dem Bü90/Grüne – offensichtlich gar nicht an wissenschaftlichem Diskurs und öffentlicher Debatte gelegen ist. Da werden vielmehr Wissenschaftler eingeladen, mit deren Thesen zu befassen der Veranstalter im Vorfeld gar nicht notwendig hält.
  • Folgt dann später eine diffuse Attacke gegen einen bereits eingeladenen Referenten, so wird diese unverzüglich seitens des Veranstalters wahrgenommen, geschluckt, und es wird der Referent gar – ebenfalls ohne jede inhaltliche Befassung mit dessen Thesen – von der Rednerliste entfernt. Ohne jede Prüfung der Anschuldigung, ohne jede Möglichkeit des „ausgeladenen“ Redners sich öffentlich zu den Anschuldigungen zu äußern, und auch ohne die Öffentlichkeit über die Umstände und Hintergründe der „Programmänderung“ zu unterrichten.

 

Es hat Dr. Köhnlein in seiner Bereitschaft, der Einladung zur Veranstaltung zu folgen (ohne hier die Qualitätkennt d.h. Köhnlein reden lässt) und sich mit offenem Visier einem öffentlichen Diskurs zu stellen, eine gehörige Portion Rückrat bewiesen. Herr Matthiessen hingegen bekommt noch nicht einmal ein solch geringes Maß an Rückrat beisammen, wie erforderlich wäre, um Dr. Köhnlein zuzuhören.
seiner Thesen zu bewerten, dies kann man erst, sobald man sie

Dazu erscheint mir einzig die Vokabel „erbärmlich“ hinreichend angemessen.

Ob nämlich Dr. Köhnlein mit seinen Thesen richtig, teilweise richtig, weitgehend falsch liegt – oder ob er gar vor dem Pult völligen Blödsinn daherredet – das zu beurteilen obliegt den geneigten Zuhörern im anschließenden Diskussionsteil der Veranstaltung.

In Sachen Demokratieverständnis und freie Meinungsbildung sehe ich jedenfalls bei Herrn Matthiessen einen großen Bedarf an Nachhilfe.

Zum Schluss noch eine ganz persönliche Anmerkung an die Adresse des Bü90/Grüne: Liebe Grüne, so gibt das jedenfalls nix mit der Demokratie. Räumt euren „Laden“ mal intern auf. Mit eurer Glaubwürdigkeit kann es dann jedenfalls nur noch bergauf gehen..

Wer übrigens die Zeit und die Gelegenheit zum Besuch der Veranstaltung hat, der möge diese bitte auch besuchen. Dies nicht etwa trotz sondern wegen dieser Vorkommnisse. Vielleicht bietet sich auf der Veranstaltung ja auch die Gelegenheit, an Herrn Matthiessen einige Fragen bezüglich seiner Einstellung zur Redefreiheit und bezüglich adäquaten Umgangs mit eingeladenen Gästen zu richten. Also Leute: Geht da bitte möglichst hin, hört insbesondere Herrn Klemens Steiof so wie auch den anderen Referenten gewissenhaft zu, und haut ansonsten ob der hier geschilderten, im Vorfeld der Veranstaltung gelaufenen Sauereien bei den Veranstaltern mal kräftig auf den Tisch (aber bitte nicht wörtlich nehmen, kritische Hinterfragung soll und muss dabei genügen).

Selbst wenn man unterstellt, es hätte Herrn Matthiessen die Sorge um das Ansehen seiner Partei so handeln lassen: Erreicht haben dürfte er durch den Ausschluss Dr. Köhnleins jedenfalls das genaue Gegenteil dieses Anliegens.

Sein Ziel erreicht haben dürfte hingegen – unter Rückendeckung der Forenmoderation – der anonyme Diffarmierer. Durch dessen Sabotage einer Fachtagung dürfte, durch den Ausschluss kritischer Wissenschaftler vom Diskurs, eine Revision der den Tierhaltern oktroyierten „Seuchenbekämpfungsmaßnamen“ seitens der Politik in noch weitere Ferne gerückt sein.

Die Betreiber der Massentierhaltungen werden es ihm vielleicht danken. All jene Geflügelhalter welchen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt, dagegen wohl eher nicht.

Werner Hupperich
 

 

[1] Engelbrecht / Köhnlein: „Virus-Wahn, Vogelgrippe (H5N1), SARS, BSE, Hepatitis C, AIDS:Wie die Medizin-Industrie ständig Seuchen erfindet und auf Kosten der Allgemeinheit Milliarden-Profite macht“

 

[2] Alle Vorgänge im angesprochenen Forum sind, u.a. durch Bildschirmkopien (sogen. „Screenshots“) detailliert und in chronologischer Reihenfolge dokumentiert. Es ist beabsichtigt diese nach erfolgter juristischer Prüfung und Freigabe ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

e-mail:: werner.hupperich@federtiere.net homepage:: http://www.federtiere.net

agregue un comentario sobre este artículo

Der vollständigkeit halber ... ;-)

Redcap 27.May.2007 23:35

... die geschwärzten Links ...

Typisch für diese Aids-Dissidenten. Die massgeblichen Argumente werden ausgeblendet.
 http://linkszeitung.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=66001
 http://www.info.gov.za/speeches/2006/06120816451001.htm

Des weiteren:
 http://www.de.indymedia.org/2006/11/161417.shtml
Auch von Dr.Paleske

Die Grünen haben sich völlig richtig verhalten

Gänseerpel 28.May.2007 07:48

Die Ausladung erfolgte völlig zurecht. Man kann nicht ernsthaft eine Politik zur effektiven Bekämpfung von AIDS und anderen Krankheiten verfolgen, Mittel zur Medikamentenbeschaffung bereitstellen, für eine Verbilligung der Medikamente eintreten, und die restriktive Preispolitik der Pharmaindustrie kritisieren, und gleichzeitig Leuten wie Köhnlein - übrigens kein "Wissenschaftler", sondern ein Journalist, der in erster Linie sein Buch verkaufen will, warum auch nicht - Gelegenheit geben, lang und breit darüber zu schwadronieren, dass Viren eine Erfindung schlauer Geschäftsleute sind, die ihre Produkte verkaufen wollen.

Zur Erinnerung: Es geht hier nicht um eine Sonntagnachmittagsdiskussion darüber, ob die Erde eine Scheibe ist, wie in einem marktwirtschaftlichen System Preise zustandekommen oder ob Schopenhauer ein Alien ist, sondern AIDS, Hepatitis C, SARS, Vogelgrippe sind Krankheiten, an denen täglich Menschen sterben.

Hier wird die Not erkrankter Menschen, die lebensbedrohlich erkrankt sind, für die es nur unzureichende Heilungs- und Behandlungsmöglichkeiten gibt, und die nach Hilfe suchen, skrupellos instrumentalisiert.

Ein etwas sensiblerer Umgang mit solchen Themen stünde dem Wortführer der obigen Thesen gut an.

Spätestens bei der nächsten Vogelgrippe welle wird der ganze Wind, der hier erzeugt wird, im Nichts verpuffen und diese Thesen nur noch als Lachnummer wahrgenommen, der von niemandem mehr erst genommen werden kann, schon gar nicht von denen, die politische Verantwortung tragen.