PARIS: WIDERSTAND

Spontaner Krawall am Gare du Nord

 

Am Dienstag den 27. März 2007 um ca. 16:30 verwandelte sich eine "normale" Fahrkartenkontrolle am Bahnhof "Gare du Nord" in einen Krawall, der bis in den späten Abend andauern sollt. Zeugen berichteten, dass ein 33-jähriger Mann (laut kommerziellen Medien ein "Sans-Papier") und/oder ein 15-jähriger Junge von den Kartenkontrolleuren fliehen wollten, aber gewaltsam aufgehalten wurden. Das provokative Verhalten der Kontrolleure veranlasste andere Fahrgäste dazu, den Festgehaltenen zu helfen. Die Kontrolleure riefen die Polizei, doch die Fahrgäste bekamen auch Unterstützung. Anders als bei dem Laissez-Faire und der Resignation, mit der in solchen Situationen normalerweise reagiert wird - viele Metro-Fahrer gehen einfach weiter und vermeiden, in die Sache hineingezogen zu werden - kam es zu einem Aufstand. Die Polizeiverstärkung, die mit Tränengas eingriff, verstärkte nur den spontanen Wutausbruch. Einige Hundert Menschen (200 - 400) bekämpften die Cops im Untergeschoss des Bahnhofs und im anschließenden U-Bahnhof 8 Stunden lang bis in die Nacht hinein.

Sie brüllten "Sarkozy, fils de pute !", "Police partout, justice nulle part !" oder "A bas, l'Etat, les flics et les patrons !" (AdÜ: "Sarkozy, Hurensohn!", "Polizei ist überall, Gerechtigkeit nirgendwo!", "Stürzt den Staat, weg mit den Cops und den Bossen"). Der Bahnhof wurde während der Kämpfe demoliert. Viele Werbetafeln wurden zerstört - vor allem die der Zeitung "L'Express", die Sarkozy auf dem Titelblatt zeigte). [Anmerkung: Sarkozy ist [Präsidentschaftskandidat der rechten Partei (en)] . Während der Anti-CPE Krawalle vom Herbst 2005 bis Frühling 2006 war er Polizeipräsident und Minister für Innere Sicherheit.] Genau wie bei dem Aufstand im Herbst 2005 reagierten die Medien und einige Politiker mit rassistischen Aussagen, "ethnisierten" den Aufstand, aber die Aufständischen waren jung und von jedweder Hautfarbe! Viele der Leute sind zweifellos Opfer anhaltender Kontrolle in den Pariser Vororten: so war es ein Volksaufstand!

Indymedia Paris : 8 Stunden Konfrontation (fr) | 23:15 - 00:45 (fr) | Augenzeugenbericht (fr) | Aufruhr (fr) | la police veille au grain (fr) | Zeugenaussage eines Franzosen (fr) | Eine Kartenkontrolle ist niemals normal (fr) | Fotos : Indymedia Paris | Zeitung "20 Minuten" | Fotos vor dem Bahnhof um ca. 23:30 | « Le Monde » | Flash Videos - siehe gnash und gnash-dev : Videos von unabhängigen Medien (Handy): Gegenüber der Cops "Sarko, fils de pute [Sarko, Hurensohn]" Nach dem Tränengas... | AFP

"Nachdem was man um 22:00 Uhr sehen konnte, konnte man meinen, es hätte einige Unruhe gegeben... Der bleibend Tränengas-Geruch trieb die kleinen Grüppchen nicht auseinander. Wir bekamen mit, dass ein bisschen früher ein "Foot Locker" Schuhgeschäft zerstört und geplündert wurde. Auch andere Geschäfte und Möbel wurden angegriffen. Mit wasserfesten Stiften wurden Kommentare an die Wände geschrieben. Überwachungskameras wurden abgeschaltet und einige "360°-Kugelkameras" wurden zerstört. Große Blumenkübel (50 cm im Durchmesser) wurden vom Erdgeschoss vermutlich auf die Cops ins zweite Untergeschoss geworfen... Ein SNCF "Begrüßungs- und Informationsschalter" wurde zerstört, die Computer und andere Geräte wurden abgesteckt und von fröhlichen Mädels auf den Boden geworfen. Die kleinen Grüppchen der Aufständischen griffen an, zogen sich zurück und reformierten sich immer wieder... Fast 5 Stunden angespannte Konfrontation.

Die Polizeieinheit (mit rund 300 Beamten) schaffte es nicht, Ruhe in den Bahnhof zu bringen. Sie wussten nicht, wie sie direkt angreifen sollten, ohne den Verkehr komplett abzuschneiden [die U-Bahn Linien 4 und 5 hielten oder wurden vor dem Anhalten im Gare du Nord gewarnt. Ebenso die RER Linien B und D, jedoch nicht die SNCF Nahverkehrszüge]. Alle 5 Minuten kamen neue Reisende an, die die Menschenmenge jedes Mal neu mischte: neue wütende Reisende hielten an, blieben stehen, beschimpften die Polizisten, wie dieser nett-aussehende schwarze Mann in einem Anzug, der sie mit Dingen bewarf, während er sie beschimpfte... Die Umgebung ist für die Cops schwer zu kontrollieren. Doch die Situation ist für die Rebellen nicht besser, man hatte das Gefühl man sei mit den Bullen und den Journalisten mit ihren beschissenen Kameras und den ganzen Überwachungskameras überall in einem Beton-Klotz gefangen... Ein Polizist läuft vorbei, der einen bewusstlosen Kollegen auf dem Rücken trägt! Ein (kleines) Feuer wurde entfacht, die Feuerwehr musste eingreifen! Die Polizei schien Instruktionen erhalten zu haben, lieber den Bahnhof wieder unter Kontrolle zu bringen, als Leute gefangen zu nehmen - typisches Beispiel: während eines Angriffs schnappten sie sich zehn Personen, fesselten sie und schlugen ihnen in die Rippen, ließen sie aber auf Anweisung des Einsatzleiters (oder einem anderen Beamten) wieder frei, der erklärte, dass sie hier seien um die Menschen anzugreifen, nicht sie zu verhaften.

Den Cops gelang es nach und nach die Untergeschosse wieder unter Kontrolle zu bringen, schließlich schafften sie es auch alle aus dem Bahnhof auf den Vorplatz zu jagen. Angriff. Rund 50 Menschen entschlossen sich die Kreuzung zwischen Faubourg Saint-Denis und Lafayette zu blockieren. Ein Bus wurde angehalten. Es wurde einige Minuten überlegt, ob er demoliert werden sollte oder nicht, dann zog er ab. In der Zwischenzeit fand eine "pétroleuse" ein kaputte Sofa, schiebt es auf die Mitte der Kreuzung und steckt es in Brand. Die kleine brennende Straßenblockade wird schnell mit Türen und anderen Holzbrettern aus der Umgebung aufgestockt. Ein einsames Polizeiauto kommt vorbei. Es konnte sich gerade noch von der Wut der kleinen Menschenmenge in Sicherheit bringen. Polizeiverstärkung rückt an: zehn Einsatzwägen geben Vollgas. Die letzten Aufständigen fliehen in eine kleine Straße, errichten mit Baustellen-Kram eine kleine Blockade. Ein Auto mit Zivilisten rast mit Vollgas vorbei und sprüht Gas aus dem Fenster. Flucht Richtung Gare de l'Est. Ende der Party... Scheinbar.

Mindestens neun Personen wurden verhaftet... Sie wurden entweder auf die Wache in der Riquet Straße (19. Arrondissement) oder ins 10. Arrondissement gebracht."

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Déjà des condamnations...

kyi 30.Mar.2007 22:02

D'après la presse mainstream, il y a déjà huit personnes en prison suite aux affrontements de la gare du Nord.

Selon une dépêche de l'agence Reuters, un jeune homme de 23 ans a été condamné, en comparution immédiate, à 6 mois de prison ferme (et un an de sursis), "pour sa participation aux violences de la gare du Nord mardi soir à Paris".

Celui-ci a été reconnu coupable de "violences sur agents de la force publique" pour avoir jeté en direction de policiers d'une hauteur de 12 mètres une jardinière pesant plus de 40 kg.

Dans la nuit de jeudi à vendredi, deux autres participants aux émeutes de la gare du Nord avaient été condamnés à quatre mois de prison ferme chacun.

Ces deux hommes, un Malien et un Congolais, ont été reconnus coupables d'avoir jeté des projectiles - pour l'un une bouteille vide, pour l'autre un objet métallique - en direction des forces de l'ordre. Le Malien a été interdit du territoire français pour trois ans.

On notera la justice raciste de ce pays, puisque les deux étrangers - noirs - ont à peu près la même peine que celui qui est reconnu coupable de faits qui auraient très bien pu tuer un flic... Alors tant mieux pour le jeune blanc, Français, s'il n'a pas pris une peine plus lourde. Mais les deux étrangers ont pris cher pour pas grand-chose ! Avec double-peine à la clé pour l'un d'eux, cela va de soi...

Dans les tribunaux, le racisme est à la fois informel et institutionnel. Normal...



Jouer contre son camp

esteban 02.Apr.2007 17:48

Plus les zyvas agissent de la sorte et plus ils justifient la peur des racailles qu'ils sont, et font ainsi monter le FN et sarkozy.

Avec ce type d'agissement le vote securitaire est parfaitement justifé.
Je me désole de voir que sur indymedia on confonde encore ces malfrats avec des rebelles. Surement les restes d'une vielle admiration du petit bourgeois lache devant le voleur.

Les auteurs de ses actes sont les moins rebelles de tous, non seulement ils justifient la politique securitaire à la sarkozy, mais en plus ils sont les meilleurs soldats du consummerisme ambiant. Aucune conscience politique, aucun poids, ils ne font que jouer contre leur camps.

La Chapelle is always crazy, sorry

Neil Sorensen 03.Apr.2007 11:51

I go through Gare de Nord frequently, and I was there on Wednesday evening. I noticed an unusually large police presence, and I hadn't heard about what had happened. I also noticed that almost every young person I saw jumped over the turnstyles without paying, which is not entirely unusual, but the kids were being extremely bold.

Gare de Nord is nearly always full of young people, many poor, hanging out. Just a few weeks ago I watched a great breakdown, which I hadn't seen since I participated in breakdwowns during my youth in the early 80's.

I know French police can be pretty harsh, but not nearly as bad as in the US. I'm not defending the police for mistreating anyone, and certainly we have a right to react strongly to police brutality. On the other hand, there are a lot of thugs in La Chapelle and in the basement of Gare de Nord in particular - always, really quite brutal youngsters that rob an intimidate people all the time, and these are the kids that started the riot. I sometimes think they can't wait for an excuse to cause as much mayhem as possible and destroy public infrastructure. Of all the places I go in Paris, and I must preface like la Chapelle a lot, not least because there's a big Sri Lankan neighborhood there with great food, I feel subject to attack or getting ripped off there more than anywhere in Paris, and unfortunately the enormous police presence at this train station is necessary, otherwise people would get mugged constantly.