Am deutschen Bürgermeisterwesen soll Rumänien genesen

 

Indirekt durch das dt. Innenministerium finanzierte Wahlwerbung in Hermannstadt
Indirekt durch das dt. Innenministerium finanzierte Wahlwerbung in Hermannstadt


Der deutschstämmige Vorzeige-Oberbürgermeister von Hermannstadt/Sibiu, Klaus-Werner Johannis, wurde per Meinungsumfrage in Rumänien zum populärsten Stadtvater gekürt, doch ist nicht alles Deutsch was blattgoldig in den Medien glänzt. Fakten und Impressionen aus einer zukünftigen EU-Randregion.

Der Oktober hat in Siebenbürgen sonnig und vielversprechend angefangen. Vielerorts riecht es herbstlich nach duftenden Weinreben, die an vielen Häusern üppige Frucht tragen. Der brasilianische Erfolgsschriftsteller Paulo Coelho weilt seit ein paar Tagen in der 170.000 Einwohner zählenden Hermannstadt, die mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern in den letzten Jahren häufiger in den westlichen Medien aufgetaucht ist. Der Grund dafür war zumeist der hiesige deutschstämmige Vorzeigebürgermeister Klaus-Werner Johannis, 45, der im Jahr 2000 überraschend als parteiloser Aussenseiterkandidat die Bürgermeisterwahl in Hermannstadt (rumänisch Sibiu) gewann. Er hatte sich durch die Minderheitenorganisation „Deutsches Forum“ aufstellen lassen, die auch seinen Wahlkampf finanzierten. Im Jahr 2004 wurde er dann mit fast 90%iger Mehrheit wiedergewählt und die Kandidaten des Deutschen Forums (DFDR) übernahmen die Mehrheit im Stadtrat und im Kreis Hermannstadt. Seither herrscht Johannis mit fast diktatorischer Machtfülle. Die Financial Times Deutschland lobte vor einigen Monaten das Hermannstädter Modell von Johannis und empfahl es Osteuropa zur Nachahmung. Johannis hatte durch seiner „deutschen Reputation “, mit der man die üblichen deutschen Sekundärtugenden wie Ordnung, Sauberkeit und Korrektheit verknüpft, diverse Investoren wie zum Beispiel Siemens und Continental nach Hermannstadt locken können. Auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, GTZ, unterhält seit einigen Jahren in der Altstadt ein Büro zur Stadtsanierung und viele mittelalterliche Fassaden wurden mit ihrer Hilfe restauriert. Johannis wurde deshalb im vergangenen Jahr mit fast 90% der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Ende September wurde er per Meinungsumfrage einer rumänischen Tageszeitung zum populärsten Bürgermeister Rumäniens gekürt, woraufhin im Lokalsender Antenna Uno der Kommentar zu hören war, die rumänische Bevölkerung kenne die tatsächlichen zustände in Hermannstadt nicht.




Momentan ist fast die gesamte Altstadt zu einer großen Baustelle geworden, wo unter anderem die beiden Hauptplätze neu gepflastert werden. Dies zu einem weit höheren Preis als im Westen, weshalb sich auch hier einige Bürger fragen, warum das so ist. Der als wortkarg geltende Ex-Physiklehrer Johannis, der auch zum Landesvorsitzenden des Deutschen Forums der Deutschen in Rumänien, DFDR, gewählt wurde, gibt sich in der Öffentlichkeit bescheiden, jedoch gilt er bei anderen Persönlichkeiten der Stadt als arrogant und ambitioniert. Hier mischen sich alte Status- und Geschichtsprobleme mit der heutigen Wirklichkeit. Die Siebenbürger Sachsen waren in der Geschichte einmal die Elite Transilvaniens und zählten im 19. Jahrhundert gut 2 Millionen Menschen, die lieber unter sich blieben. Mischehen mit Rumänen waren bei den Siebenbürger Sachsen verpönt und noch im 19. Jahrhundert durften Rumänen nicht in sächsische Städte ziehen, wenn sie vom Magistrat der Stadt keine Genehmigung dafür erhalten hatten. Nach 1918 war es dann mit der Donaumonarchie vorbei und Siebenbürgen wurde dem rumänischen Altreich jenseits der Karpaten zugeschlagen. Nach 1933 fiel dann die Saat der Nationalsozialisten in Siebenbürgen auf fruchtbaren deutschstämmigen Boden; sie wurden wieder zu Herrenmenschen, zur Elite und neuer Lebensraum im Osten war für sie ein alter Hut: sie waren schon vor 800 Jahren in den Osten ausgewandert. Neunzig Prozent der hiesigen Kriegsfreiwilligen gingen nach Ausbruch des 2. Weltkriegs zur Waffen-SS. Nach 1945, mit der Machtübernahme der Kommunisten in Rumänien, wurden die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben dann als 5. Kolonne der Nazis gebrandmarkt und Zigtausende von ihnen in sowjetische Straflager deportiert.

Kurz nach der sogenannten Revolution 1989 in Rumänien gab es dann einen Massenexodus der deutschstämmigen Minderheit. Mehr als 80% von ihnen wanderten Hals über Kopf zurück ins deutsche Mutterland oder ließen sich in Österreich nieder, nachdem sie ihr Hab und Gut für lächerliche Summen verramscht hatten. Damals konnte man alte sächsische Häuser von den Auswanderungswilligen für ein paar tausend DM erwerben. Wer damals blieb, war in der Regel zu alt oder hatte sich häufig zu sehr mit den kommunistischen Machthabern eingelassen. Der Jahrgang von Johannis fehlt fast gänzlich in den Reihen der dagebliebenen deutschen Minderheit und kommt nur noch auf Besuch in die alte Heimat. Auch die einzige Schwester des „deutschen“ Bürgermeisters ist gleich nach der vermeintlichen Revolution 1989 nach Süddeutschland ausgewandert. Johannis blieb mit seiner rumänischen Frau, einer Englischlehrerin, in Hermannstadt in ihrer Neubauwohnung - sie hatten andere Pläne.

Ein paar Jahre gingen ins Land und 1997 reichte Klaus-Werner Johannis zusammen mit seiner Schwiegermutter und einer dritten Person namens Nicolae Bastea ein handschriftliches Testament von Eliseu Ghenea beim hiesigen Gericht ein, welches das Trio als Erben einer wertvollen Immobilie im Zentrum der Altstadt auswies. Darin spielte noch eine Bescheinigung eine Rolle, die der Anwalt des Trios Dorin Suciu in einem Dorf nahe Hermannstadt durch Bestechung beigebracht hatte. Ein befreundeter Notar, Radu Bucsa, stellte eine Erburkunde aus, obgleich er dazu legal nicht berechtigt war. Vorerst gewann jedoch das Trio den Prozess an dem laut Verfassungsvater Iorgovan Antonie als besonders korrupt geltenden Hermannstädter Gerichtshof. Die Justiz hatte sich nach der „Revolution“ ganz besonders bereichern können, da sie diejenigen begünstigte, die am besten zahlten, oder sich die herrenlosen Häuser gegenseitig einfach selbst zuschoben.

Ein sich in der betreffenden Immobilie befindlicher Buchladen mußte ausziehen. Bei einer anderen Immobilie, die das Betrügertrio auf die altbekannte Art „erworben“ hatte, ließ man die Bewohner, die ihre Wohnungen nach der Revolution gekauft hatten, auf die Strasse setzen. Die Ex-Mieter gingen in eine Berufungsverhandlung, die in Kronstadt stattfand und gewannen diesen Prozess. Da sich auch das eingereichte Testament von Eliseu Ghenea durch eine kriminaltechnische Untersuchung als Fälschung erwiesen hatte, mußte die Immobilie in der Heltauer Gasse, die Johannis für 10.000 US-Dollar Jahresmiete an die Raiffeisenbank vermietet hatte, laut Urteil aus Kronstadt wieder an den Staat rückübereignet werden. Eine strafrechtliche Würdigung der begangenen Straftaten durch das Trio ist noch nicht erfolgt und im Prinzip müßte der Hermannstädter Präfekt den Bürgermeister Klaus-Werner Johannis bis zur Urteilsverkündung vom Amt suspendieren. Dies ist bis jetzt nicht geschehen und offenkundig gibt es in Bukarest Bedenken, seinen „Vorzeigebürgermeister“ zu opfern, was der angeschlagenen Reputation Rumäniens, das wahrscheinlich nicht termingerecht 2007 in die EU aufgenommen werden wird, weiteren Schaden zufügen würde. Auch Angela Merkel hatte sich vor der Bundestagswahl gegen eine baldige Aufnahme Rumäniens und Bulgariens in die EU ausgesprochen. Hermannstadt wird 2007 zusammen mit Luxemburg europäische Kulturhauptstadt sein, womit der Fall Johannis weitere Brisanz bekommt. Seit der Amtsübernahme von Klaus Johannis kamen bereits viele wichtige Persönlichkeiten aus Europa nach Hermannstadt, u. a. der Großherzog von Luxemburg oder Johannes Rau in seiner damaligen Funktion als Bundespräsident. Otto Schily, Ehrenbürger von Hermannstadt, war schon öfters hier und scheint einen Narren an der Stadt und seinem Bürgermeister gefressen zu haben. Im letzten Herbst bekam Otto Schily von der hiesigen Lucian-Blaga-Universität den Ehrendoktor verliehen. Das deutsche Innenministerium finanziert mit ca. 2 Mio Euro jährlich den DFDR, dessen Landesvorsitzender Johannis ist. Indirekt hat das deutsche Innenministerium auch den Wahlkampf im Herbst 2004 von Johannis und dessen Kandidaten für eine „deutsche Partei“ finanziert, da das Geld dafür vom DFDR zur Verfügung gestellt wurde. Der Einzug ins Parlament schlug fehl, da die deutsche Minderheit über das ihnen ohnehin zustehenden „Gnadenmandat“ nicht hinaus kam. Bis auf wenige Medien wurde der Skandal um Johannis soweit vertuscht, nur eine Tageszeitung aus Bukarest und ein paar kleine Lokalzeitungen berichteten darüber. Johannis sitzt seinen großen Skandal, der ihn den Kopf kosten könnte, soweit erfolgreich aus. Diese Geschichte sollte einigen Leuten zu denken geben und vielleicht sind seine Tage als Bürgermeister Hermannstadts doch gezählt...!?


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Unglaublich

Razvan 17.Sep.2006 15:42

Ich kann es nicht glauben wie weit die Hermannstader Innenpolitik geht. Es ist keine Neuigkeit fur uns das die ganze rumanische Politik einen faulen Untergrund besitzt, und Herr Johannis hat keine Chance gegen diese korrupten und zweiseitegen Menschen, die wie hier zum Beispiel keine Gelegenheit auslassen um seine Autoritat und Popularitat zu endwurdigen, aber es wird weiterhinn nicht gelingen weil uns, Einwohner Hermanstadts, klar ist dass es kein bessernen als Herr Klaus Johannis als Burgermeister gibt.Seit seinem Mandat ist die Stadt spurbar verbessert und dass gilt halt mehr fur die Wahler.
Tschus und lasst die politisch beinflusste Artikel sein, sie tuen uns keinen Gefallen.