Pipeline-Baustelle besetzt – Protest gegen Erdgas in Mecklenburg-Vorpommern

 
Eine Gruppe von Aktivist*innen besetzt seit 5:35 Uhr eine Gaspipeline bei Wrangelsburg
(Mecklenburg-Vorpommern), um deren Bau zu verzögern und auf Klimaschäden durch Erdgas
aufmerksam zu machen. Es befinden sich Personen in den Rohren und auf dem Baugelände. Die
Bauarbeiten mussten angehalten werden

Eine Gruppe von Aktivist*innen besetzt seit 5:35 Uhr eine Gaspipeline bei Wrangelsburg
(Mecklenburg-Vorpommern), um deren Bau zu verzögern und auf Klimaschäden durch Erdgas
aufmerksam zu machen. Es befinden sich Personen in den Rohren und auf dem Baugelände. Die
Bauarbeiten mussten angehalten werden.
Die im Bau befindliche Pipeline EUGAL soll ab Ende 2019 Erdgas durch Ostdeutschland nach
Tschechien leiten. Dieses soll aus der ebenfalls noch nicht fertiggestellten Pipeline Nord Stream 2
eingespeist werden, welche russisches Gas quer durch die Ostsee nach Deutschland bringen soll.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in seinem Wochenbericht 27/2018 die
Versorgungssicherheit von Erdgas analysiert. Es ist zu dem Schluss gekommen, dass Nord Stream 2
überflüssig ist und der Bau auf falschen Annahmen zur Gasmarktentwicklung beruht.
„Ein weiterer Ausbau fossiler Infrastruktur lässt alle Versprechen von einer Energiewende lächerlich
aussehen“, so Ines, eine der Aktivist*innen. „Das gilt nicht nur für den Kohleausstieg, der mit 2038
viel zu spät angesetzt ist, sondern eben auch für Erdgas und Erdöl.“
„Erdgas ist viel schädlicher für das Klima als oft angenommen wird. Methan, woraus Erdgas
hauptsächlich besteht, ist ein deutlich stärkeres Treibhausgas als CO2 und tritt bei Förderung und
Transport von Erdgas zwangsläufig in die Atmosphäre aus. Ein Ausbau der Gasförderung verhindert
ganz klar das Erreichen der Pariser Klimaziele, Erdgas kann keine Brückentechnologie sein“, sagt
Stephanie von der Gruppe Climate Justice Greifswald zu der Aktion.
Die Bauarbeiten der Gazprom-Tochter Nord Stream 2 hatten bereits begonnen, bevor alle
notwendigen Baugenehmigungen der Anrainerstaaten vorlagen. Auch in anderen Teilen der Welt
wird gegen den Bau von Pipelines, wie der North Dakota Access Pipeline, protestiert. Man sehe
sich als Teil eines globalen Kampfes für Klimagerechtigkeit und gegen fossile Energien, so die
Aktivist*innen.
„Eines unserer Ziele ist auch, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf der Thema Gas zu
lenken“, sagt Ines. „Es wird hier momentan sehr viel über Kohle geredet und das finden wir gut und
wichtig. Aber gleichzeitig wird hier eine neue Pipeline gebaut und auch LNG-Terminals sind in
Planung. Das können wir so nicht hinnehmen! Auch wenn wir uns dafür in die Röhren setzen
müssen.“
„Es ist längst klar und ständig kommen neue Erkenntnisse dazu, wie der IPBES Bericht jetzt: Wir
müssen etwas tun. Wir müssen unser Verhalten radikal verändern, um die Zerstörung, die wir auf
dieser Welt anrichten, so gering wie möglich zu halten. Das erfordert riesige Veränderungen, unser
ganzes System muss sich ändern“, meint Lukas, der ebenfalls an der Aktion beteiligt ist.

Kontakt: Luca Kruczynski, Tel.: 0049 152 1946 3448
Mail:  verSTOPfung@systemausfall.org
Twitter: twitter.com/verSTOPfen #NOstream2

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